Text von Prof. Dr. Wilhelm Vossenkuhl

Kein geringerer als Platon sagte, dass es Bilder gebe, die man nur sehen, aber nicht denken könne. Ulla M. Scholls gemalte Gesichter sind solche Bilder. Ihre Vielfalt übersteigt alles, was man sprachlich ausdrücken und mit Wörtern beschreiben kann. Es sind Köpfe, Gesichter, Masken, Portraits, die uns nicht nur wegen ihrer schieren Vielfalt und Farbigkeit zum Nachdenken bewegen. Was vor allem erstaunt ist, dass wir uns das, was sie zeigen, nicht vorstellen können, bevor wir es sehen. Freude, Angst, Sorge, Trauer, Ausgelassenheit, all diese Gemütsbewegungen und Empfindungen werden in der Vielfalt ihrer Färbungen sichtbar.
Dass wir uns das, was Ulla M. Scholl sichtbar macht, weder vorstellen noch sagen noch denken, sondern nur sehen können, wirft ein interessantes Licht auf unsere menschlichen Fähigkeiten. Es ist eben nicht alles, was im menschlichen Leben zählt, primär denkbar. Einiges ist eben auch zuallererst sichtbar, und das , was Ulla M. Scholl zeigt, ist darüber hinaus auch mit der Botschaft verbunden, dass wir uns den anderen Menschen erst vorstellen können, wenn wir ihn oder sie gesehen haben. Wir müssen den Anderen gesehen haben, sonst wissen wir nicht, wer er ist, woher er kommt, wohin er gehört, was ihn bewegt und wie er sich fühlt. Das ist die Botschaft von Ulla M. Scholls Bildern. Und diese Botschaft ist unverzichtbar wichtig.


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