Text von Dr. Iris Cramer
Kuratorin der Kunstsammlung Deutsche Bundesbank

Die Bronzeskulptur von Ulla M. Scholl vor der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in München (ehemals Landeszentralbank im Freistaat Bayern) entstand im Rahmen der Kunst-am-Bau-Projekte zur Fertigstellung des Gebäudes an der Ecke Leopoldstraße / Mittlerer Ring im Jahr 2000.
Die Kunstwerke sollten die zentralen Aufgaben der Bank – über die Stabilität des Geldes zu wachen und den Geldfluss zu regeln – künstlerisch reflektieren oder aber auf die Architektur Bezug nehmen.
Die in München ansässige Malerin und Bildhauerin Ulla M. Scholl rückt die menschliche Figur ins Zentrum ihres Konzepts. Der senkrecht aufragende, auf Zehenspitzen stehende Torso einer Frau, unbekleidet und überlebensgroß, wirkt idealisiert, bewusst wird auf individuelle Züge verzichtet.
Im Titel „Balance“ nimmt Ulla M. Scholl ein klassisches Thema der Skulptur auf. Die Figur trägt einen gebogenen Stab, der vom Nacken über die Schulter reicht. Er bringt vergleichbar einer Balancierstange die vertikal hoch aufragende Gestalt in ein fragiles Gleichgewicht. Gleichzeitig nimmt die gebogene Form des Stabes die Rundung der Architektur auf und bringt die Plastik in direkte Beziehung zu der Eingangssituation des Gebäudes.
Ulla M. Scholl möchte mit ihrer Bronzefigur einen „Balanceakt“ zum Ausdruck bringen, der nur durch eine Konzentration auf das Wesentliche gelingen kann. Dieser Ausgleich zwischen verschiedenen widerstrebenden Kräften kann durchaus auch im übertragenen Sinn gesehen werden.


Balance Am Standort der Deutschen Bundesbank, Erwin-von-Kreibig-Straße 3, 80807 München



Balance Werkstattbild Ulla M. Scholl im Atelier während des Aufbaus der Skulptur in Ton

Kunst am Bau